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WOHIN gehst Du? - Schritte IN DIE ZUKUNFT


„Der Körper ist ein wunderbares Instrument,
Tanz setzt es effizient ein, bietet Raum für Entwicklung,
Selbstwahrnehmung und sozialen Wandel“

Royston Maldoom, Choreograph

WOHIN gehst Du? - Schritte in die Zukunft ist ein tänzerisch-musikalisches Abenteuer und ein pädagogisches Innovationsprojekt. Im Mittelpunkt stehen dabei Schülerinnen und Schüler, ihre Schritte, ihre Bewegungen, ihre Motivationen, ihre Bedürfnisse und ihre Wege. Es geht um Banales und Besonderes, um Alltag und Aufbruch, um Lernen und Leben. Teenager tanzen eine Handlung, die um jugendliche Themen rankt wie Aggression, Orientierungslosigkeit, Gruppenzwänge, aber auch um Freundschaft, Vertrauen, Party und natürlich um Liebe.

Die Pädagogik der Zukunft sollte außerschulische Räume öffnen, Schülerinnen und Schüler mit hohen (aber nicht unüberwindbaren) Ansprüchen konfrontieren, die Persönlichkeitsentwicklung fördern, Kreativität und Verantwortung wecken, die Anstrengung des einzelnen in Kontexte stellen und schließlich Lehrerinnen und Lehrer dazu ermutigen, sich auch als Lernende zu verstehen.

Im Kinojahr 2004 sorgte der Dokumentarfilm „Rhythm is it!“ deutschlandweit und darüber hinaus für Schlagzeilen. Filmisch dokumentiert wurde darin ein Berliner Tanzprojekt, durchgeführt im Rahmen eines Education-Programmes der Berliner Philharmoniker, erdacht von ihrem neuen Chefdirigenten Simon Rattle und ausgeführt in Zusammenarbeit mit dem britischen Choreographen Royston Maldoom und Berliner Schülerinnen und Schülern. Die Berliner Philharmoniker hatten sich zum Ziel gesetzt, Menschen aller Altersstufen, unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft und Begabungen für eine aktive und schöpferische Auseinandersetzung mit Musik zu motivieren.

Heinz-Jürgen Rickert, Regionalkoordinator der Niedersächsischen unesco-projekt-schulen, sah den Film im Kino und war begeistert. Nach und nach keimte in ihm die Idee, ein ähnliches Projekt in der Region Lüneburg zu initiieren, das diverse pädagogische Aspekte und Ziele miteinander verknüpfen würde: Schülerinnen und Schüler werden mit ihnen nur partiell vertrauter Musik konfrontiert und entdecken dabei ihre eigene Kreativität. Sie lernen, ein Verantwortungsgefühl jenseits persönlicher Befindlichkeiten zu entwickeln, ein kollektives Vorhaben durch individuelle Kraftanstrengung zum Erfolg zu führen und sich dabei auch durch schwierige Phasen im Rahmen der Probenarbeit nicht entmutigen zu lassen. Am Ende erfahren sie schließlich die Energien, die durch Bestätigung für das geleistete Engagement zutage kommen werden. „Danach war dieses Glücksgefühl sehr intensiv. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich was geleistet mit den anderen ca. 200 Menschen.“, „Diesen Moment, vor 2000 Leuten zu tanzen, den will man wohl sein ganzes Leben behalten.“ – so äußerten sich Teilnehmer des Berliner Projektes im Anschluß an die Aufführung.

WOHIN gehst Du? – Schritte IN DIE ZUKUNFT“ nimmt sich nicht zum Ziel, den Jugendlichen klassisches Ballettvokabular beizubringen, sondern will ihnen ein Gefühl für den eigenen Körper und den Rhythmus der Musik vermitteln. Spätestens seit der Studie des Frankfurter Pädagogikprofessors Hans Günther Bastian ist allgemein bekannt, daß eine intensive musikalische Erziehung in jungen Jahren die soziale Kompetenz steigert und die kreative und intellektuelle Entwicklung anregt. Die Auseinandersetzung mit Tanz, Ballett, Rhythmus und Theater bedeutet für einen Großteil der Jugendlichen bis dato nie vollzogene Grenzgänge und Horizonterweiterungen. Das Genre Ballett mit seinen klaren Vorgaben in den einzelnen Bewegungsabläufen eignet sich vorzüglich, addiert durch notwendigen Team-Geist, um elementare Voraussetzungen für eine spätere Berufslaufbahn zu schaffen. Disziplin und Konzentration – unabdingbare Voraussetzungen für das gemeinsame Tanzen auf der Bühne – sind wichtige Stichwörter, die im späteren Leben einmal von außerordentlicher Wichtigkeit sind.

Ein zusätzlicher Reiz an dem Lüneburger Projekt liegt in der schulform- und jahrgangsübergreifenden Gesamtkonzeption, zu dessen Realisierung der Schwerpunkt der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler aus den Schuljahren 7 bis 10 rekrutiert wurden. Insbesondere Hauptschüler werden dabei einen nachhaltigen Schub an Selbstbewußtsein erleben. „Schritte IN DIE ZUKUNFT“ sind in diesem Sinne bei weitem nicht bloß einstudierte Tanzschritte, sondern Entwicklungsschritte auf dem Weg ins Morgen.

Bei der Suche nach Mitstreitern für sein innovatives Vorhaben lief Heinz-Jürgen Rickert in Lüneburgs Kulturlandschaft offene Türen ein. Es gelang ihm sofort, die kulturellen Kräfte der Region, sei es Theater, Musikschule oder Universität, unter dem Dach der UNESCO zu bündeln; und das Projekt WOHIN gehst Du? - Schritte in die Zukunft begann, zu Beginn des Schuljahres 2005/06 Gestalt anzunehmen.

Für die Choreographie konnte die Lüneburger Ballettänzerin und Choreographin Kerstin Kessel gewonnen werden, die in der Vergangenheit schon mehrfach künstlerische Projekte mit Jugendlichen angeleitet hat. Ebenso schnell erklärte sich Kathy Kelsh, Geigerin, Komponistin und Lehrerin an der Musikschule Lüneburg, bereit, die musikalische Leitung zu übernehmen und mit „Strings!“, dem von ihr geleiteten Streichorchester der Musikschule, an dem Projekt teilzunehmen. Der Lüneburger Lichtdesigner Wolfgang Graemer vervollständigt das künstlerische Team. Kooperationspartner für WOHIN gehst Du? - Schritte in die Zukunft sind das Medienzentrum und der Fachbereich Musik der Universität Lüneburg, die das Projekt dokumentarisch bzw. wissenschaftlich begleiten und im Anschluß auswerten.

Die „Stars“ im Rampenlicht sind neben den Instrumentalisten der „Strings!“ die etwa 100 jugendlichen Tänzerinnen und Tänzer aus den unesco-projekt-schulen der Region Ostniedersachen, dem Gymnasium Lüchow, dem Internatsgymnasium Marienau, dem Gymnasium Wilhelm-Raabe-Schule Lüneburg, der Hauptschule Stadtmitte Lüneburg und dem Gymnasium Herderschule Lüneburg als Gast.

Bei den ersten konzeptionellen Gesprächen stellte sich schnell heraus, daß man im Gegensatz zu Berlin nicht auf eine bereits existierende Partitur zurückgreifen wollte. Kathy Kelsh erklärte sich bereit, eine Eigenkomposition zu entwickeln, die das Konzept der Choreographin (Erzählung einer konkreten, jugendgemäßen Handlung, Einbindung aktueller Musikstile der Jugendkultur neben klassischen Elementen) aufgreift und in Musik umsetzt. Das holt die beteiligten SchülerInnen in ihren vertrauten Klang-Gefilden ab und regt zugleich eine Begegnung mit dem Ungewohnten an – eine musikalische Brücke, die Spannung verspricht.

Nachdem bis Ende des Jahres 2005 Choreographie und Komposition Hand in Hand entstanden waren, begannen im Januar 2006 die Proben in den Schulen , die Ende Juni 2006 in eine gemeinsame Projektwoche im Theater Lüneburg führten, an deren Ende die Uraufführung am 1. Juli 2006 im Großen Haus des Theaters stand. Daran schlossen sich vier weitere Aufführungen im Theater Lüneburg sowie ein Gastspiel im VERDO Kultur- und Tagungszentrum Hitzacker an.